Interview: KIJUNA-Superheld*innen 2022 - Auszeichnungen für BNE in der Kinder-und Jugendhilfe vergeben

Wie wäre eine Welt, in der unsere Kinder schon jetzt optimal auf ihre Zukunft vorbereitet werden? KIJUNA unterstützt dieses Anliegen und vergibt jährlich das KIJUNA- Siegel an Wohngruppen und Projekte der Kinder- und Jugendhilfe, die mit ihren Betreuten an Themen der Bildung für nachhaltige Entwicklung arbeiten und sie damit auf einen nachhaltigen Lebensstil vorbereiten.

Am 22. März 2022 fand die diesjährige KIJUNA Siegel-Verleihung statt. Wir haben mit Cathrin Hirsch, Projektleiterin von KIJUNA, über das Siegel und die ausgezeichneten Projekte gesprochen. Zum Video geht es hier.

Cathrin, ihr habt euch 2020 auf den Weg gemacht, das KIJUNA-Siegel zu entwickeln. Welche Idee steckte dahinter, welchen Ansatz verfolgt ihr?

Vor allem verfolgen wir das Motto der Agenda 2030 „We leave no one behind“. Es hat sich gezeigt, dass die Bildungsoffensive der Bunderegierung im Rahmen der BNE vor allem auf institutionelle Bildung wie Schulen und KiTas abzielt. Kinder und Jugendliche, die nicht mehr in ihren Herkunftsfamilien bleiben können und in der Kinder- und Jugendhilfe untergebracht sind, haben kaum Zugang zu BNE und dem Thema Nachhaltigkeit. Das wollen wir ändern und auch in diesem Bereich die Teilhabechancen dieser Kinder und Jugendlichen stärken. Wir finden, dass auch sie ein Recht darauf haben, sich um unsere Welt zu sorgen und sich um sie zu kümmern. Deshalb bilden wir im Rahmen von KIJUNA die pädagogischen Fachkräfte im Bereich der BNE fort und motivieren und begleiten sie bei der Umsetzung dieses Bildungsansatzes in ihrer täglichen Arbeit.


Die ersten Projekte wurden 2021 mit dem Siegel ausgezeichnet. Nun habt ihr bereits zum zweiten Mal KIJUNA-Superhelden ausgewählt, an die eure Auszeichnung vergeben wurde. Welche Projekte sind dabei? Mit welchen Themen der Nachhaltigkeit haben sich die Kinder und Jugendlichen beschäftigt?

Ja, im letzten Jahr haben wir die ersten drei KIJUNA-Siegel verliehen. In diesem Jahr waren es bereits 23. Das freut uns sehr und zeigt auch, dass wir hier ein Thema aufgemacht haben, das auf großes Interesse und hohe Motivation stößt. Oftmals gab es das Thema Hochbeet und der eigene Anbau von Lebensmitteln. Diese Auseinandersetzung schafft viel Bewusstheit für gesunde Ernährung und vermittelt Wissen darüber, wie Gemüse wächst, was es dafür braucht und dass es nicht im Supermarkt im Regal wächst. Oftmals wird diese Erkenntnis auch auf die Fleischproduktion erweitert. Es ging auch viel um das Thema Energiesparen. Einige Gruppen haben zum Beispiel regelmäßig mit den Jugendlichen sogenannte Energierundgänge gemacht, um sich gewahr zu werden, wie viele unnötige Stromverbraucher gerade aktiv sind (Heizung, Licht, usw.). Bei all diesen Projekten ist natürlich immer entscheidend, dass ein Verständnis der Gesamtzusammenhänge entwickelt wird. Es geht nicht darum, dass die Pädagog*innen die Regel aufstellen: „Das Licht muss ausgemacht werden, wenn man das Zimmer verlässt“. Sondern es geht darum, altersentsprechend bei den Kindern und Jugendlichen ein Verständnis dafür zu entwickeln, wo der Strom herkommt und was dessen Produktion mit sich bringt. Es geht darum, mit den konkreten Methoden, die Gestaltungskompetenzen, die die BNE formuliert, zu vermitteln, so dass die Kinder und Jugendlichen später ein selbstbestimmtes Leben führen können und sich ihrer Selbstwirksamkeit bewusstwerden.


Was müssen denn Wohngruppen tun, die in der nächsten Runde bei euch mitmachen wollen?

Der erste Schritt ist die Kontaktaufnahme zu KIJUNA. Da können wir schon das erste Mal über mögliche Projektinhalte und gemeinsam auch über die Umsetzungsmöglichkeiten sprechen.Vor der Verleihung des ersten KIJUNA-Siegels muss ein*e Kolleg*in aus der Gruppe oder dem Projekt an unserem Grundlagenseminar teilnehmen. Hier vermitteln wir einen Überblick über die SDGs - die Sustainable Development Goals- und die Agenda 2030. Außerdem setzen wir uns in Grundzügen mit dem Ansatz der BNE auseinander und gehen dann in die konkrete Planung von Projekten in den einzelnen Einrichtungen. Die Gruppen / Projekte müssen ihre Arbeit dokumentieren und diese Dokumentation bis zum 30.11. des jeweiligen Jahres bei KIJUNA einreichen. Die Dokumentation sollte zeigen, dass hier Bildung für nachhaltige Entwicklung stattgefunden hat. Wir leiten dann alles an den Siegelrat weiter, der letztlich entscheidet, ob das KIJUNA-Siegel verliehen wird oder nicht. Der Siegelrat besteht aus Vertreter*innen der BNE, der Kinder- und Jugendhilfe und hoffentlich bald auch der Jugendlichen selbst. Im weiteren Verlauf muss dann jährlich ein Teamtag zu dem Thema durchgeführt werden, den wir begleiten, so dass die Kontinuität und die Qualität aufrecht erhalten wird. Meldet euch also bei uns - wir freuen uns auf euer Engagement zur Gestaltung der einen nachhaltigen Welt!

Vielen Dank, liebe Cathrin, wir wünschen den ausgezeichneten Projekten und ihren Superheld*innen alles Gute und hoffen, dass die KIJUNA-Community weiter wächst und ihre Ideen in die Welt trägt.

Mehr zu den ausgezeichneten Projekten: https://www.kijuna.org/
Mehr zur Bewerbung: https://www.kijuna.org/seite/462425/mitmachen.html

Kontakt: KSJH-Stiftung - KIJUNA / Cathrin Hirsch /cathrin.hirsch@kijuna.org

Das Interview als PDF gibt es hier.