Spotlight BNE-Zertifizierung: Gemeinschaft & Zukunft e.V.

Mit der BNE-Zertifizierung wollen wir in Brandenburg gemeinsam einen Weg hin zur mehr Qualität in der Bildung für nachhaltige Entwicklung gehen. Im Herbst 2025 wurde Gemeinschaft & Zukunft e.V. mit dem BNE-Zertifikat ausgezeichnet. Der ehrenamtlich tätige Verein ist Partner des Biosphärenreservats Elbe und will mit seiner Bildungsarbeit zur sozialen und ökologischen Transformation der Gesellschaft beitragen. In seinen Bildungsangeboten wird sinnliche Erfahrung in und mit der Natur ermöglicht und Kreativität und Innovation gefördert. Im zertifizierten Angebot „Wo wächst eigentlich…Papier?“ wird das Thema Papierproduktion und -verbrauch mit interaktiven Methoden vermittelt und den jugendlichen Teilnehmenden dabei ein Raum zum Nachdenken über nachhaltiges Handeln eröffnet. Wir haben mit Rainer Griese über die Auszeichnung und ihren BNE-Weg gesprochen.

Rainer, die Arbeit eures Vereins basiert auf einem großen ehrenamtlichen Engagement. Was treibt euch in eurem Engagement für Nachhaltigkeit an?

Uns motiviert die Überzeugung, dass gesellschaftlicher Wandel GEMEINSAM gestaltet werden kann. Wir möchten Menschen ermutigen, Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen und Zukunft aktiv mitzugestalten. Besonders wichtig ist uns dabei der Aspekt der globalen sozialen und ökologischen Gerechtigkeit.

Mit eurem Angebot bereichert ihr den ländlichen Raum Brandenburgs – was sind hier Hindernisse und Chancen?

Die Herausforderungen im ländlichen Raum unterscheiden sich aus unserer Sicht nicht unbedingt von denen in Städten. Oft stehen Gewohnheiten/Bequemlichkeit, fehlendes Problembewusstsein und die starke gesellschaftliche Orientierung an wirtschaftlichen Interessen nachhaltigen Veränderungen im Weg. Gleichzeitig bietet der ländliche Raum gute Möglichkeiten, Nachhaltigkeit konkret erfahrbar zu machen - sei es durch die Nähe zur Natur, lokale Gemeinschaften oder direkte Beteiligungsmöglich-keiten. In der Bildungsarbeit im ländlichen Raum können wir an alltäglichen Erfahrungen und Sehnsüchten der Teilnehmenden anknüpfen und gemeinsam nach praktikablen Lösungen suchen. Zudem bietet das Wunder Natur einen einzigartigen Rahmen, um zur Ruhe zu kommen, sich inspirieren zu lassen und aktiv zu werden.

Euer zertifiziertes Angebot behandelt das Thema Ressourcenbeschaffung und -verbrauch am Beispiel Papier. Welche Perspektiven sind euch dabei besonders wichtig und warum?

Uns ist wichtig, Papier als alltägliches Produkt mit globalen Zusammenhängen sichtbar zu machen. Dabei betrachten wir sowohl ökologische Folgen der Ressourcengewinnung als auch Fragen von Konsum, Verantwortung und Gerechtigkeit. Die Teilnehmenden sollen nachvollziehen können, wie eng ihr Alltag mit weltweiten Prozessen verbunden ist. Dabei verbinden wir erkundende Natur-erfahrungen mit ästhetischem Lernen. Dies fördert kreatives Denken und begünstigt tatsächliches positives Umwelthandeln.

Die Förderung von Partizipation und eigenem Denken sind euch wichtig – wie verwirklicht ihr das methodisch in eurer Bildungsarbeit?

Wir arbeiten mit interaktiven und erfahrungsorientierten Methoden. Statt fertige Antworten vorzugeben, schaffen wir Räume für Fragen, Austausch und eigene Ideen. Die Teilnehmenden werden aktiv beteiligt und können ihre Perspektiven in den Lernprozess einbringen. Geeignete Lernräume finden wir in der Natur und im Sozialraum. Hier können die Teilnehmenden mit allen Sinnen lernen und - wenn sie möchten - direkt aktiv werden.

Welche Potenziale bietet das kreative Gestalten in BNE-Angeboten?

Kreative Prozesse ermöglichen einen persönlichen Zugang zu komplexen Nachhaltigkeitsthemen. Sie fördern Vorstellungskraft, Perspektivwechsel und die Entwicklung eigener Lösungsansätze. Gleichzeitig sind sie motivierend, stärken die Freude am Lernen und am gemeinsamen Gestalten der Zukunft.

Welche weiteren Schwerpunkte plant ihr zukünftig in eurer Arbeit? 

Wir möchten unsere Bildungsangebote im Hinblick auf Nachhaltigkeit, Gemeinschaft, Naturerfahrung und gesellschaftliche Transformation weiter ausbauen - insbesondere für Multiplikator*innen und Fachkräfte in unterschiedlichen Bereichen. Natürlich auch für alle anderen, die sich in diesen Themengebieten weiterbilden möchten. Außerdem möchten wir Menschen weiterhin dabei unterstützen, eigene Projekte und Ideen für eine ökologisch und sozial nachhaltige Zukunft umzusetzen. Diese Themen sind uns wichtig, weil wir überzeugt sind, dass wir positive gesellschaftliche Veränderungen nur dann umsetzen können, wenn wir sie gemeinsam und achtsam aktiv gestalten.

Was ratet ihr Akteur*innen, die noch ganz am Anfang stehen, um in das Thema BNE einzusteigen?

Mit kleinen Schritten gemeinsam beginnen und an konkreten Themen aus dem eigenen Umfeld ansetzen, um dann immer größere Kreise zu ziehen. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass individuelles Handeln wichtig ist, jedoch strukturelle Missstände nicht ausgleichen kann. BNE lebt daher vom Austausch, vom gemeinsamen Lernen und davon, das eigene Handeln bewusst mit gesellschaftlichen Strukturen und globalen Zusammenhängen in Beziehung zu setzen. So können Ungerechtigkeiten erkannt und gleichzeitig positive Zukunftsperspektiven entwickelt werden. Wichtig ist dennoch, Nachhaltigkeit nicht nur zu vermitteln, sondern auch im eigenen Handeln vorzuleben. Wer selbst lebt, was vermittelt wird, handelt glaubwürdig und macht deutlich: Nachhaltige Entwicklung kann mehr sein als nur eine Werbebotschaft.


Vielen Dank für das Interview!

Kontakt: infogemeinschaft-und-zukunftde 
Website: https://gemeinschaft-und-zukunft.de/

Fotos: Rainer Griese