Spotlight BNE-Zertifizierung: Makerspace ViNN:Lab der Technischen Hochschule Wildau

Mit der BNE-Zertifizierung wollen wir in Brandenburg gemeinsam einen Weg hin zur mehr Qualität in der Bildung für nachhaltige Entwicklung gehen. Im Herbst 2025 wurde das Makerspace ViNN:Lab der Technischen Hochschule Wildau mit dem BNE-Zertifikat ausgezeichnet. Das ViNN:Lab unterstützt durch die Bereitstellung moderner Technologien bei der Umsetzung von kreativen und innovativen Projekten und fördert dabei unter anderem MINT-Kompetenzen und das Nachhaltigkeitsbewusstsein der unterschiedlichen Zielgruppen. Das zertifizierte Angebot „Green Fashion Lab“ verbindet ein kreatives Upcycling-Projekt mit der Frage, wie Kleidung modisch, günstig und trotzdem fair und umweltfreundlich sein kann. Wir haben mit Eva Ismer über die Auszeichnung und ihren BNE-Weg gesprochen.

 

Eva, das Venture Innovation Lab, kurz ViNN:Lab, ist der Makerspace an der Technischen Hochschule Wildau. Welche Möglichkeiten bietet euer Lernort und wer kann eure Angebote nutzen?

Das ViNN:Lab ist eine offene Lern- und Mitmachwerkstatt für alle Interessierten. Unabhängig von Alter oder Vorwissen können hier Schüler*innen, Studierende, Hochschulangehörige und externe Personen eigene Ideen entwickeln und praktisch umsetzen. Durch vielfältige Formate wie den wöchentlich stattfindenden Open Lab Day (jeden Mittwoch von 9.00 bis 19.00 Uhr), praxisorientierte Workshops für Schulklassen, spezielle Angebote für Studierende sowie Fortbildungen für Lehrkräfte werden unterschiedliche Zielgruppen gezielt angesprochen. Das individuelle Lernen und die Förderung entsprechend des jeweiligen Wissens- und Erfahrungsstandes stehen dabei im Mittelpunkt.

Das Team des ViNN:Lab bietet vielfältige Bildungsveranstaltungen an. Welche Themen sind euch dabei wichtig und was wird den Teilnehmenden konkret mitgegeben?

Inhaltlich reicht das Angebot von Projekten zur digitalen Fertigung (z. B. 3D-Druck, Lasercutting oder Prototyping) bis hin zu Workshops zu Soft- und Future Skills wie Kreativitätstechniken, Teamarbeit, Problemlösekompetenz, kritischem Denken oder interdisziplinärer Zusammenarbeit. Ziel ist es, sowohl technische als auch persönliche Kompetenzen ganzheitlich zu stärken und die Teilnehmenden zur aktiven Mitgestaltung zu befähigen. Ein besonderer Fokus liegt auf Formaten mit Bezug zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Diese werden in vielen Workshops und Projekten aufgegriffen und fördern ein nachhaltiges Denken und Handeln im Kontext von Technologie, Gesellschaft und Umwelt. So versteht sich das ViNN:Lab nicht nur als Experimentierraum, sondern auch als Ort, an dem Zukunftskompetenzen verantwortungsvoll entwickelt und erprobt werden können.

2025 seid ihr mit dem BNE-Zertifikat ausgezeichnet worden. Wie war euer Weg in die BNE und was konntet ihr aus dem Prozess der Zertifizierung mitnehmen?

Unser Einstieg in die BNE hat sich aus unserer täglichen Arbeit im ViNN:Lab ergeben. Nachhaltige Fragestellungen waren von Anfang an Teil vieler Angebote - zum Beispiel durch ressourcenschonendes Arbeiten, den Umgang mit Zukunftstechnologien oder durch gemeinsames Lernen. Im Zertifizierungsprozess konnten wir diese Ansätze gezielt zusammenführen und weiterdenken. Die Auszeichnung 2025 hat uns darin bestärkt, BNE noch klarer zu positionieren und langfristig in unserer Bildungsarbeit zu verankern. Der begleitende Austausch hat uns dabei viele neue Impulse und Kooperationen eröffnet.

In eurem zertifizierten BNE-Angebot, dem Green Fashion Lab, geht es um nachhaltige Mode und Konsumentscheidungen. Was lernen junge Menschen in dem Angebot und inwiefern können sie dort selbst aktiv werden?

Im Green Fashion Lab setzen sich junge Menschen praxisnah mit den ökologischen und sozialen Auswirkungen der Modeindustrie auseinander. Sie lernen, globale Produktions- und Lieferketten kritisch zu hinterfragen, Konsumentscheidungen zu reflektieren und nachhaltige Alternativen kennenzulernen. Neben theoretischen Impulsen steht vor allem das aktive Mitmachen im Mittelpunkt: Die Teilnehmenden experimentieren mit Upcycling, Reparatur und digitalen Fertigungstechniken, entwickeln eigene Ideen für nachhaltige Modekonzepte und setzen diese praktisch um. So erleben sie Selbstwirksamkeit und erkennen, wie sie durch bewusste Entscheidungen und kreatives Handeln selbst zu einer nachhaltigeren Zukunft beitragen können.

Welche Vorteile bietet die Angliederung an die TH Wildau für die Inhalte und Umsetzung eurer Arbeit?

Als Teil der TH Wildau kann das ViNN:Lab aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse, Forschungsthemen und digitale Technologien direkt in seine Bildungsarbeit einbinden. Der enge Austausch mit Lehrenden und Studierenden sowie der Zugang zu hochschulischer Infrastruktur stärken die Qualität, Praxisnähe und Innovationskraft der BNE-orientierten Formate. Gleichzeitig fungiert das ViNN:Lab als offener Makerspace und Schnittstelle zwischen Hochschule und Gesellschaft. Externe BNE-Akteur*innen erhalten hier niedrigschwelligen Zugang zu digitalen Technologien, Know-how und Kooperationen mit der Hochschule. So entstehen Lern- und Experimentierräume auf Augenhöhe, die Transfer fördern und nachhaltige Bildungsangebote gemeinsam weiterentwickeln.

Was könnt ihr BNE-Akteur*innen, die noch ganz am Anfang stehen, mit auf den Weg geben?

BNE-Akteur*innen, die noch am Anfang stehen, möchten wir vor allem ermutigen, einfach anzufangen und den eigenen Lernprozess mitzudenken. Es muss nicht sofort das perfekte Konzept stehen. Wichtiger ist es, erste Formate auszuprobieren, offen zu reflektieren und sich gemeinsam mit den Teilnehmenden weiterzuentwickeln. Der Austausch mit anderen Akteur*innen, Netzwerken und Lernorten ist dabei besonders wertvoll. Außerdem lohnt es sich, Kooperationen einzugehen, Ressourcen zu teilen und vorhandene Infrastrukturen zu nutzen. BNE lebt von Praxisnähe, Beteiligung und dem Mut, neue Wege zu gehen.

Vielen Dank für das Interview!

Kontakt: eva.ismerth-wildaude 
Website: https://vinnlab.th-wildau.de/ und https://www.th-wildau.de/vinnlab 
Instagram: https://www.instagram.com/vinnlab/

Fotos: Makerspace ViNN:Lab