Spotlight BNE-Zertifizierung: Naturparkverein Hoher Fläming e.V.

Mit der BNE-Zertifizierung wollen wir in Brandenburg gemeinsam einen Weg hin zur mehr Qualität in der Bildung für nachhaltige Entwicklung gehen. Im Herbst 2025 wurde der Naturparkverein Hoher Fläming e.V. zertifiziert. In seinem Naturparkzentrum in der „alten Brennerei“ in Raben setzt der Verein vielfältige Bildungsangebote für Schulklassen, Kinder- und Erwachsene um. Im Angebot „Willkommen im Wildkatzenwald“ entdecken Grundschüler*innen die Lebensweise und Herausforderungen der im Naturpark vorkommenden Wildkatzen. Wir haben mit Christoph Diedicke über die Auszeichnung und ihren BNE-Weg gesprochen.

Christoph, wie war euer Weg in die BNE und warum ist es euch wichtig, Bildung für nachhaltige Entwicklung in euren Angeboten umzusetzen?

Ich bin seit einem Jahr im Naturparkzentrum beschäftigt und habe schon an verschiedenen Orten am Thema gearbeitet. Für mich war es daher entscheidend, den Prozess auch hier zu unterstützen. Wichtig ist es uns vor allem deswegen, weil sich auch der Naturpark großen Herausforderungen ausgesetzt sieht: Da sind zum einen die Waldbrände der letzten Jahre, die deutlich machen, dass wir uns mitten im Klimawandel befinden. Zudem können wir uns auch aus der Diskussion um Windräder im Naturpark nicht raushalten. Daher sehen wir es als Aufgabe, die Bewohner*innen und auch die Besucher*innen fit für eine bessere Zukunft zu machen. Dies kann nur mit einem guten Bildungsangebot auf Grundlage von BNE geschehen. Wir wollen dabei als Vorbild vorangehen und stellen nicht nur unsere Bildungs-arbeit auf BNE um, sondern gestalten auch das Naturparkzentrum immer nachhaltiger.

Im zertifizierten Angebot „Willkommen im Wildkatzenwald“ geht es - wie der Name schon vermuten lässt - um die im Naturpark Hoher Fläming vorkommende Wildkatze. Was lernen die Schüler*innen und wie bindet ihr den Naturpark als Lernort mit ein?

Die Schüler*innen sollen vor allem lernen, wie schön und wichtig es ist, dass die Wildkatze wieder in Brandenburgs Wäldern lebt und sich sogar ausbreitet. Die Wildkatze ist sehr scheu und braucht strukturreiche Wälder, in denen sie zum einen genug Nahrung findet, sich und ihre Jungen aber auch verstecken kann. Dass die Wildkatze wieder da ist und sich auch vermehrt, zeigt, dass sie all dies in den Wäldern hier auch findet und diese wertvoll und schützenswert sind. Darum gehen wir mit den Schüler*innen auch raus in die Wälder vor der Haustür des Naturparkzentrums. Das Angebot zur Wildkatze findet, wie viele andere unserer Angebote, bei jedem Wetter draußen in der umgebenden Natur statt.

Welche Zugänge empfehlt ihr für die Auseinandersetzung mit dem Thema „Biodiversität“ bei den jungen Zielgruppen und was kann man als Anbieter*in tun, um das Engagement der Teilnehmenden im Themenfeld zu stärken?

Es bringt nichts, primär nur über Dinge zu reden, die weit weg passieren. Dazu haben die jungen Zielgruppen oft wenig Bezug. Daher nutzen wir die Biodiversität, die wir vor Ort haben. Als Einstieg nutzen wir in vielen Angeboten das Thema Nahrungsmittel. Damit können zum einen Kinder sehr gut etwas anfangen und es bietet die Gelegenheit, das Thema mit unterschiedlichen Sinnen zu erfahren - durch Sortenverkostungen von beispielweise Tomaten oder Äpfeln oder durch die Beschäftigung mit Insekten, die essentiell für unsere Nahrungsmittelproduktion sind.

Habt ihr Methoden Top-Tipps für Kinder im Grundschulalter?

Wir nutzen sehr häufig die Methode des Stationenlernens. Im Falle der Wildkatze können die Kinder sich dadurch Wissen zur Lebensweise, der bevorzugten Nahrung, dem idealen Lebensraum und dem Verhalten der Wildkatze selbst - aber auf einem spielerischen Weg – erarbeiten und haben die Möglichkeit sich abwechslungsreich und „bewegt“ mit dem Thema zu beschäftigen.

Was könnt ihr Akteur*innen, die noch ganz am Anfang stehen, mit auf den Weg geben, um in das Thema BNE einzusteigen?

Wir haben gelernt, dass die eigenen Angebote häufig gar nicht so weit weg sind von einer nachhaltigen Bildung wie man denkt. Man sollte sich einfach trauen, den kleinen Schritt zu gehen und die nachhaltige Perspektive mit hineindenken.

Wie geht es in puncto BNE bei euch weiter?

Zurzeit erstellen wir ein BNE- Konzept für das Naturparkzentrum. Wir haben viele Ideen, wie wir unsere bestehenden Angebote auf BNE umstellen können und auch für ganz neue Veranstaltungen, die wir ausprobieren wollen. Mir persönlich liegt dabei am Herzen, die Nachhaltigkeitsziele bekannter zu machen und mit Kindern das Thema Glück zu behandeln: Ist Glück allgemeingültig und wieviel materiellen Besitz brauchen wir, um glücklich zu sein?

Vielen Dank für das Interview!

Kontakt: christoph.diedickeflaemingnet
Website: https://www.naturpark-hoher-flaeming.de/
Instagram: https://www.instagram.com/naturparkhoherflaeming

Fotos: Juliane Wittig, Sandra Schiegl