Spotlight Zertifizierung: Naturschutzaktiv Schöneiche e.V.

Mit der BNE-Zertifizierung wollen wir in Brandenburg gemeinsam einen Weg hin zur mehr Qualität in der Bildung für nachhaltige Entwicklung gehen. Im Herbst 2025 wurde Naturschutzaktiv Schöneiche mit dem BNE-Zertifikat ausgezeichnet. Der Verein bietet mit seinem Sitz, dem „Kleinen Spreewald-park“, einen Ort zum Mitmachen für unterschiedliche Altersgruppen und Erfahrungsräume für die Themen Wasser und Wald. Das zertifizierte Angebot „Naturprodukte erkennen, ernten, verarbeiten“ findet als Kinderferienprogramm an fünf Tagen statt, in denen die verschiedenen Naturräume des Lernorts erkundet werden. Unter anderem werden Lebensmittel wie die Kartoffel selbst geerntet und verarbeitet, um eine Wertschätzung für gesunde Lebensmitteln zu vermitteln. Wir haben mit Birgit Schürmann und Nadine Bauer über die Auszeichnung und ihren BNE-Weg gesprochen.

Ein wesentliches Merkmal eures Lernortes ist das Kanalsystem, auf dem auch Kahnfahrten angeboten wurden. Bis zum Sommer 2025 lag der Kleine Spreewaldpark in den Sommermonaten allerdings jahrelang auf dem Trockenen. Was sind eure Prognosen für die Zukunft und wie integriert ihr die Fließe im Rahmen eurer Bildungsangebote?

Der Kleine Spreewaldpark, der durch das Fredersdorfer Mühlenfließ mit Wasser versorgt wird, fällt seit 2006 regelmäßig im Sommer bis zum Winter trocken. Im letzten Jahr gab es im Juli so viel Regen wie in einem viertel Jahr und wir konnten im Sommer drei Wochen Kahnfahrten durch einen Dschungel voller Wasserpflanzen anbieten. Die Kahnfahrten ergänzen unser Umweltbildungsangebot und sind oft der Höhepunkt der Erlebnisangebote in der Natur. Zukünftige Klimaveränderungen werden sowohl vermehrte Trockenphasen als auch Starkregenereignisse mit sich bringen. Die Veränderungen durch den Klimawandel sind im Park bereits deutlich sichtbar und werden auch in den Angeboten thematisch eingebunden. Wir bieten z.B. Projekttage zum Thema Wasser an, die auch ohne Wasser in den Kanälen möglich sind - wie die Formate „Kleine Gewässerretter“, bei dem Kinder mit Müllgreifern auf Spurensuche im trockenen Kanalsystem unterwegs sind oder beim Angebot „Kleiner Spreewaldpark auf dem Trockenen“, bei dem Kinder erfahren, wo bei der Herstellung und Verarbeitung von Produkten überall Wasser verbraucht wird.

Wie bezieht ihr die Menschen vor Ort in euer Gelände und eure Angebote mit ein?

Die Menschen, die uns besuchen, können als Parkbesucher*innen die kühle frische Waldluft genießen, besondere Anlässe bei uns feiern oder gemeinsam mit uns bleibende Erinnerungen in der Natur schaffen, wie z.B. die Pflanzung von Geburtsbäumen für Neugeborene im Park. Schöneicher*innen, und Besucher*innen können sich im Waldgarten naturnahe Gartengestaltung abschauen und auch selber beim Gärtnern mitmachen. Bei Seminaren, Workshops, Teamtagen und kulturellen Veranstaltungen werden Wissen und Fähigkeiten z.B. zum naturnahen Gärtnern oder beim Sensenschnittseminar, vermittelt - z.T. auch von Ehrenamtler*innen.  Menschen, die sich für die Natur engagieren wollen, können uns ehrenamtlich als Kahnfahrer*innen, Helfern*innen bei Arbeitseinsätzen in der Natur, entweder in Interessengemeinschaften wie den „Kräuterhexen“ oder individuell bei der Gestaltung und Pflege von Teilbereichen im Waldgarten, unterstützen. Gegenseitiger Austausch von Expertise und Erfahrung ist dabei das Motto! Daraus entstehen neue Ideen, Projekte oder wie zur Zeit der Bau eines Eichhörnchen-Auswilderungsquartiers.

Schwerpunkte eures Angebots „Naturprodukte erkennen, ernten, verarbeiten“ sind die Themen nachhaltige Ernährung und Handwerk – welches Wissen und Können wollt ihr den Kindern mitgeben? 

Mit dem BNE-Angebot zum Thema Naturprodukte möchten wir vor allem zeigen, wie einfach, schnell und preisgünstig Speisen aus regionalen Produkten selbst zubereitet werden können, wie viel Spaß es machen kann, essbare Wildkräuter zu kosten, Kartoffeln mit den Händen im Boden zu ernten und wie gut Speisen aus frischen Zutaten schmecken, wenn man weiß was drin ist. Nebenbei lernen die Kinder praktische Fähigkeiten wie die Handhabung von Kartoffelhacke, Schälern, Wiegemesser und Handreibe, verlieren die Scheu vor Kleinstlebewesen im Boden oder Insekten und lernen, auch das nicht perfekte regionale Obst und Gemüse Wert zu schätzen.

Welche Learnings habt ihr aus der Zertifizierung mitgenommen?

•    Weniger ist mehr – den Kindern Zeit und Raum zum eigenen Entdecken geben!
•    Authentisch bleiben – eigene Erfahrung ist Gold Wert - die Teilnehmer*innen selber Erfahrung machen lassen!

Wie geht es in puncto BNE bei euch weiter? 

Wir haben weitere Angebote im Bereich „Gesunde Ernährung“ und „Vielfalt im Boden“ entwickelt und erproben diese in den kommenden zwei Jahren. Um die Umweltbildung nach Kriterien der BNE ganzjährig anbieten zu können, bleibt unser Ziel, die „Grüne Wabe“ als Umweltbildungszentrum und Begegnungsstätte zu errichten. Nach einer abschlägigen Entscheidung der Gemeinde wird der Verein nun versuchen, das Vorhaben in Eigenregie weiter voranzutreiben.

Was ratet ihr Akteur*innen, die noch ganz am Anfang stehen, um in das Thema BNE einzusteigen?

Akteur*innen, die in das Thema BNE einsteigen wollen, sollten schauen, was vor Ort schon vorhanden ist: Wo drückt der Schuh? Die Themen liegen meist auf der Hand – wenig Rückzugsräume für Natur und Mensch, wenig Wildnis oder es fehlt einfach ein Ort für gemeinsame Aktivitäten. Dort, wo es die Menschen vor Ort betrifft, entsteht der Wille zur Veränderung. Bei der Konzeption ist es hilfreich, sich auf ein Nachhaltigkeitsziel zu fokussieren und die lokalen Gegebenheiten zu berücksichtigen. Bei der Umsetzung, vom individuellen Erlebnis bis hin zur Gemeinschaftsaktion, sollten möglichst alle Teilnehmer*innen aktiv eingebunden werden - Stichwort Selbstwirksamkeit. 

Vielen Dank für das Interview!

Kontakt: infogruenewabede
Website: https://www.gruenewabe.de/ 
Instagram: https://www.instagram.com/naturschutzaktiv/

Fotos: Holger Peglow, Alexej Fedorov, André Graunke, Nadine Bauer